2012
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Die Entrückung der Gemeinde

 

Die Bibel spricht davon, dass es eine Entrückung der an Jesus Christus Gläubigen geben wird. Entrückung bedeutet, dass diese Menschen nicht sterben werden, sondern lebendig dem Herrn entgegen hinweg genommen werden. Gott bereitet uns in seinem Wort zudem darauf vor, dass es zum Ende der Zeiten hin eine siebenjährige Zeit der Trübsal auf der Erde geben wird. Es ist dies die Zeit, in der der Antichrist seine Herrschaft auf Erden antreten wird. Diese Zeit wird von immer stärker werdenden Gerichten Gottes begleitet sein, von denen u.a. im Buch der Offenbarung gesprochen wird. Die Frage ist, ob die Gläubigen entrückt werden, bevor diese große Zeit der Drangsal hereinbricht, oder ob die Gläubigen diese Zeit ganz oder teilweise miterleben müssen. Dazu in diesem Artikel einige Hintergründe.



Wann erfolgt die Entrückung der Gemeinde?



Dazu gibt es verschiedene Ansichten:

-Entrückung nach der Trübsalszeit

-Entrückung vor der Trübsalszeit

-In der Mitte der Trübsalszeit

-Während der Trübsal, aber vor dem Zorn Gottes

-Teilentrückung in Stufen


Bei allem gilt: Seid allezeit wachsam, z.B. Gleichnis von den zehn Jungfrauen

„So wacht nun! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Mt. 25,13)


Grundlegende Bibelstellen, die auf die Entrückung hinweisen.


Altes Testament:

1Mose 5, 21-24

„Und Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Metuschelach.

22 Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

23 Und alle Tage Henochs betrugen 365 Jahre.

24 Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg.“


„nahm ihn hinweg“ bedeutet, dass Hennoch entrückt wurde.


2. Könige 2, 10-12

„Da sagte er: Du hast Schweres erbeten! Wenn du mich sehen wirst, wie ich von dir weggenommen werde, dann wird dir das gegeben werden; wenn aber nicht, dann wird es dir nicht gegeben werden.

11 Und es geschah, während sie gingen, gingen und redeten, siehe da: ein feuriger Wagen und feurige Pferde, die sie beide voneinander trennten! Und Elia fuhr im Sturmwind auf zum Himmel.

Und Elisa sah es und schrie: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und sein Gespann! Dann sah er ihn nicht mehr.“


Bereits im AT finden sich also zwei Begebenheiten von Menschen, die vor ihrem leiblichen Tod entrückt wurden.

Und die Erwartung unserer Zeit ist, dass die Gemeinde in ihrer Gesamtheit entrückt werden wird.


Neues Testament:

Johannes 14, 1-3

„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!

2 Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten?

3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“


Hier steht nicht ausdrücklich etwas von einer Entrückung, aber von der Wiederkunft Jesu und davon, dass er die Seinen zu sich nimmt.



1. Thessalonicher 3,11-13

„Unser Gott und Vater selbst aber und unser Herr Jesus richte unseren Weg zu euch.

12 Euch aber lasse der Herr zunehmen und überreich werden in der Liebe zueinander und zu allen — wie auch wir euch gegenüber sind —,

13 um eure Herzen zu stärken, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.“


„wenn Jesus kommt mit seinen Heiligen“: Nach Sicht der Vorentrückungslehre unterstützt dieser Abschnitt die Auffassung, dass es eine Vorentrückung gibt, als vor der Trübsal. Dass also die Heiligen vorher schon hinweg genommen sind und dass Jesus dann zusammen mit ihnen, den entrückten Heiligen zurück kommt.

Zu Beginn oder vor den sieben Jahren (der Trübsal) werden die Gläubigen also entrückt und am Ende der sieben Jahre kommt der Herr Jesus mit ihnen zurück.


Aber es müssen auch andere Deutungen dieser Stelle berücksichtigt werden. Es könnte auch so sein, dass hier nur die bereits verstorbenen Heiligen gemeint sind, also diejenigen die zu dieser Zeit bereits verstorben waren.


Etwas eindeutiger ist die folgende Stelle:

(„Locus classicus“ der Entrückungslehre, die klassische Stelle)


1. Thessalonicher 4,13-18


„Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht betrübt seid wie die Übrigen, die keine Hoffnung haben.

14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, wird auch Gott ebenso die Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen.

15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden.

16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;

17 danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.

18 So ermuntert nun einander mit diesen Worten!“


Hier wird deutlich, dass es eine Reihenfolge gibt. Zuerst werden die Toten auferstehen, dann werden die noch auf der Erde lebenden Gläubigen dem Herrn entgegen entrückt werden und werden allezeit beim Herrn sein. Von einem Zeitpunkt ist allerdings nicht ausdrücklich die Rede.


Posttribulationisten (Vertreter der Nachentrückungslehre, von lat. post=nach; tribulatio=Drangsal) deuten diese Stelle so, dass die Entrückung gleichzeitig mit der endgültigen Wiederkunft des Herrn geschieht, dass also beide Ereignisse zeitlich zusammenfallen. Alles in einem Augenblick: Die Toten werden auferweckt, die Lebenden werden zum Himmel hin entrückt und die Welt wird gerichtet.


Anhänger des Dispensationalismus bzw. des Prätribulationismus sagen, dass die Entrückung vor den sieben Jahren der Trübsal stattfindet.

Möglicherweise nennt Gott in seinem Wort bewusst keinen genauen Zeitraum für die Entrückung, damit wir jederzeit bereit sind für sein Kommen.



Die verschiedenen Deutungen im Überblick:




- Die Vorentrückungslehre Prätribulationismus (lat. prä=vor; tribulatio=Drangsal)

- Das Gegenstück dazu ist der Posttribulationismus (Nachentrückungslehre)

- Midtribulationismus

- Entrückung vor dem Zorn

- Teilentrückung

- Amillenialismus (es wird kein tausendjähriges Reich mehr erwartet und damit auch keine endzeitlichen Abfolgen wie die Trübsalszeit; die verbreitetste Sicht in den großen  evangelischen/katholischen Kirchen)


Die Vorentrückung wird vor allem in den Brüdergemeinden (John Nelson Darby) vertreten und ist so auch in den evangelikalen Bereich gelangt.




Prätribulationismus


Sagt, dass die Entrückung spätestens sieben Jahre vor dem zweiten Kommen Jesu stattfindet, also auf jeden Fall vor der Trübsalszeit, entweder unmittelbar vorher oder auch schon länger vorher. Die Gemeinde kommt laut dieser Auffassung also nicht in die 7-jährige Trübsalszeit hinein.


Diese sieben Jahre sind aller Wahrscheinlichkeit nach identisch mit der 70. Jahrwoche aus Daniel 9, 24ff. Dort wird von 69 Jahrwochen (7+62) gesprochen, die bis zur Passionszeit Jesu gehen. Eine Jahrwoche = Sieben Jahre, 70 Jahrwochen sind also 490 Jahre. Und zwar gerechnet ab dem Erlass, dass Jerusalem wieder aufgebaut werden soll (Details dazu: Endzeitprophetie).


Die 70. Jahrwoche aus Daniel 9,27, also die letzten 7 Jahre, stehen noch aus. Hier besteht weitgehende Einigkeit, dass dies die Zeit ist, in der der Antichrist auf Erden auftritt, die siebenjährige Zeit der Trübsal bzw. Drangsal.

Die Frage ist bei der Entrückung also, ob die Gemeinde entrückt wird, bevor der Antichrist auftritt, oder in der Mitte seines Wirkens oder muss die Gemeinde vollständig durch die sieben Jahre der Trübsal hindurch. Oder wird sie evtl. teilentrückt, wofür es auch einige Anhänger gibt.



Argumente der Vorentrückung / Prätribulationismus

Im evangelikalen Bereich gibt es sehr viele Vertreter dieser Lehre. In der Regel wird diese Lehre mit dem Dispensationalismus (Lehre von abgegrenzten Heilszeiten) verbunden.

John Nelson Darby hatte diese Lehre am stärksten ausformuliert.

Der klassische Dispensationalismus vertritt die Auffassung, dass die Gemeinde vor der Trübsalszeit entrückt wird und dass dann praktisch nur noch Israel eine besondere Rolle innerhalb der Trübsalszeit und des Tausendjährigen Reiches spielt. Die Gemeinde befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Himmel. Es wird also stark getrennt zwischen Israel und der Gemeinde.


Bibelstellen, die für diese Ansicht herangezogen werden:

Johannes 14,2+3

„Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, würde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten?

3 Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.“


Diese Stelle muss nicht mit der Entrückung zu tun haben. Diesen Vers kann man auch so verstehen, dass Jesus allgemein im himmlischen Reich eine Wohnstätte für seine Brautgemeinde vorbereitet. Wann genau er sie zu sich nimmt, ist hier nicht genau ausgesagt. Der Zeitpunkt bleibt offen.


1. Thessalonicher 5,3


„Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches Verderben über sie, wie die Geburtswehen über die Schwangere; und sie werden nicht entfliehen.“


Gerade dieses plötzliche Erscheinen inmitten von Frieden und Sicherheit, deutet nach Ansicht von Vertretern der Vorentrückungslehre darauf hin, dass Jesus vor der Trübsalszeit wiederkommt. Denn während der Trübsal kann man schwer von „Friede und Sicherheit“ sprechen.

Allerdings kann man hier einwenden, dass die Trübsalszeit gerade damit beginnt, dass der Antichrist ein Scheinfriedensreich aufbaut, in welchem Friede und Sicherheit zu herrschen scheinen. Man denke an die Schreckensherrschaft von Adolf Hitler. Hier geschahen auch zunächst äußerlich positive Dinge, wie Straßenbau oder Verringerung der Arbeitslosigkeit. Doch später zeigte sich dann der diabolische Charakter dieses Reiches.

1.Thess. 5,3 könnte also auch darauf hindeuten, dass die Entrückung in der Mitte der Trübsalszeit geschieht.


Die Hauptstelle für die Lehre der Vorentrückung:

2. Thessalonicher 2, 1ff.:

„Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm,

2 dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort noch durch Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.

3 Dass niemand euch auf irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart worden ist, der Sohn des Verderbens;

4 der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei.

5 Erinnert ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war?

6 Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit offenbart wird.

7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur offenbart es sich nicht, bis der, welcher jetzt zurückhält, aus dem Weg ist;

8 und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus beseitigen wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten durch die Erscheinung seiner Ankunft“


Hier ist also die Rede vom Antichristen, dem „Mensch der Gesetzlosigkeit“. Das Kapitel sagt aus, dass der Herr Jesus nicht wiederkommt, bevor der Abfall vom Glauben geschieht und der Antichrist auftritt. Wer oder was ist es, der jetzt noch zurück hält? Man beachte, dass zunächst von „was“ gesprochen wird (Vers 6) und dann von „der“ (Vers 7). Zunächst also sächliche und dann personale Anrede. Die geläufigsten Deutungen:


Manche Ausleger meinen, hier sei die menschliche Obrigkeit gemeint, die durch das Gesetz das Böse eindämmt. Allerdings geht es in diesem Abschnitt um eine geistliche Größe. Und eine solche kann nicht durch eine weltliche Ordnung aufgehalten werden. Eine antichristliche Macht könnte buchstäblich nicht von der Polizei aufgehalten werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die menschliche Obrigkeit auch in der Trübsalszeit gegenwärtig sein wird.


Eine weitere Deutungsmöglichkeit besagt, dass Satan selbst der Aufhaltende sei, dass er selbst das Ausreifen des Bösen zurückhalte. Wir müssen hier an Markus 3,25f. denken („Und wenn ein Haus mit sich selbst entzweit ist, wird dieses Haus nicht bestehen können. Und wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und mit sich entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende.“). Wie kann also der Satan sich selbst als Aufhaltender entgegen stehen? Es muss also etwas Positives sein, dass derzeit noch aufhält.


Das Aufhaltend könnte einer weiteren Auslegung nach auch die Gemeinde sein. Befürworter der Vorentrückungslehre sagen hier, dass es nicht vordergründig die Gemeinde sei, sondern der Heilige Geist in der Gemeinde. Der Heilige Geist sei es, der das Geheimnis der Gesetzlosigkeit noch aufhalte. Solange er gegenwärtig sei, könne die Trübsalszeit mit dem Antichristen nicht ihre Ausreifung erfahren, sondern erst dann, wenn die Gläubigen, in denen der Heilige Geist wohnt, hinweg genommen seien.

Bei dieser Ansicht gibt es aber ein Problem: Der Heilige Geist wird auch nach der Entrückung auf der Erde vorhanden sein. Denn auch während der Trübsalszeit können Menschen zum Glauben kommen, im Buch der Offenbarung wird auch immer wieder geschildert, dass Menschen die Gelegenheit zur Umkehr erhalten und dass Überwinder vorhanden sind. Es wird auch dann Neubekehrungen geben (s. Offenbarung 7,14). Ohne den Heiligen Geist unvorstellbar.


Eine weitere Möglichkeit besagt, dass der Aufhaltende der Erzengel Michael ist. Der Erzengel Michael hat eine besondere Schutzfunktion für Israel (Daniel 10, 12-13). Michael wird als der Engelsfürst Israels bezeichnet (Daniel 10,21). Der Name „Michael“ bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Auch von daher eine Entgegnung auf Satan, der so sein möchte wie Gott.


In Offenbarung 12 wird von einem Krieg gesprochen, der im Himmel stattfindet (Offenbarung 12, 7ff.). Der Zeitpunkt dieses Kampfes kann ziemlich genau datiert werden, er findet nämlich in der Mitte der 70. Jahrwoche Daniels statt (Offenbarung 12, 6; 12-13). In diesem Kampf kämpft Michael mit dem Drachen, also Satan.


In Daniel 12,1 heisst es:

„Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie noch nie gewesen ist, seitdem irgendeine Nation entstand bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk gerettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet.“


In Judas 9 heisst es:

„Michaela aber, der Erzengel, wagte nicht, als er mit dem Teufel stritt und Wortwechsel um den Leib Moses hatte, ein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr schelte dich!“


Was die zwei Zeugen aus Offenbarung 11,3 angeht, so wurde oft die Ansicht geäussert, dass einer von ihnen Mose sein könnte.

„Und ich werde meinen zwei Zeugen Vollmacht geben, und sie werden 1 260 Tage weissagen, mit Sacktuch bekleidet.“

Im Licht dieser Aussagen wird klar, dass der Streit, den Michael mit dem Satan wegen des Leichnams Mose hatte, den genauen Zeitpunkt der großen Trübsal bezeichnet und die Situation beschreibt, in der der Aufhaltende zur Seite tritt.



Der Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift macht auch ganz generell deutlich, dass die Gemeinde nicht jedem Gericht entrinnen wird. Das würde auch nicht der bisherigen Kirchengeschichte entsprechen, in der es immer auch Verfolgung der Gläubigen gab.

In Matthäus 24 werden ausführlich die Zeichen der Endzeit geschildert. Man kann diese Ereignisse kaum nur auf Israel beziehen (wenn also die Gemeinde bereits entrückt wäre). Sicherlich nimmt Israel eine gewichtige Position in der Endzeitrede Jesu ein, beispielsweise wenn es um den Gräuel der Verwüstung geht, der an heiliger Stätte steht.


Die Gemeinde wird in Mt. 24 durch den Begriff der Auserwählten charakterisiert („aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden“; Mt. 24,22). Die Vertreter der Vorentrückung sind der Auffassung, dass hier von den Gläubigen die Rede ist, die sich während der Trübsalszeit bekehren. Es ist hier aber allgemein von den Auserwählten die Rede. Es wird nicht von einem Bruch gesprochen, der die bereits entrückten Auserwählten von später bekehrten trennt.


Ein weiteres Argument der Vorentrücker lautet: Wir sollen ja allezeit wachsam sein, da Jesus zu jeder Minute wiederkehren kann. Das würde dafür sprechen, dass die Gemeinde vor dem Auftreten des Antichristen entrückt wird. Denn wenn der Antichrist sichtbar und für alle erkennbar aufgetreten wäre, dann wäre die Situation ja ohnehin klar. Dann müsste man nicht allezeit wachsam sein. Allerdings ist auch dieses Argument nicht völlig überzeugend, da der Antichrist sich ja zunächst tarnen wird. Es könnte sogar sein, dass er bereits unter uns weilt. Er wird zunächst ein Reich in „Frieden und Sicherheit“ errichten. Die Entrückung könnte also auch erfolgen, wenn der Antichrist bereits da ist und seine 7-Jahres Herrschaft bereits begonnen hat. Ein Kriterium, welches den Antichristen kennzeichnen wird, dürfte allerdings das Bündnis mit Israel zu Beginn der sieben Jahre sein, von dem in Daniel 9 die Rede ist.





Posttribulationismus


Lehrt die Entrückung nach der Trübsalszeit. Die Gemeinde wird dieser Auffassung nach in dem Moment entrückt, in dem Jesus in die Lufthülle der Erde eintritt, um dann umgehend nachdem sie entrückt wurde mit Jesus wieder zur Erde zurückzukehren. Hierzu wird auch 1.Thess. 4,17 herangezogen. Nach dieser Lehre geschieht also alles in einem Moment und zwar nach der großen Trübsal. Die Wiederkunft Jesu zum Gericht und die Entrückung fallen also zu einem Ereignis zusammen: Die verstorbenen Heiligen werden auferweckt, die lebenden Glaubenden verwandelt und nach der Trübsal wird das Gericht gehalten.



Die Tatsache, dass es auch während der Trübsalszeit Gläubige auf der Erde geben wird, könnte für die Nachentrückung sprechen. Nach Matthäus 13, 24-30 werden Unkraut und Weizen zusammen aufwachsen bis zur Ernte. Der Weizen wird in die Scheunen gesammelt, nachdem das Unkraut ins Feuer geworden wurde. Eine vorherige Entrückung des „Weizens“ ist hier nicht zu sehen. Allerdings muss gesagt werden, dass es sich hier um ein Gleichnis handelt, das nicht überinterpretiert werden sollte. Auch in der Auslegung, die der Herr Jesus selbst seinen Jüngern gibt, wird nur allgemein vom Ende dieser Welt gesprochen.


Eine Hauptstelle für die Vorentrückung (2. Thess. 2) kann auch für die Nachentrückung ins Feld geführt werden. Dort wird gesagt, dass der Herr nicht kommt, bevor der Antichrist kommt und bevor der Abfall vom Glauben eintritt. Wenn man von nur einer Wiederkunft Jesu Christi ausgeht, müsste man sagen, Jesus kommt nicht wieder, bevor der Antichrist sichtbar aufgetreten ist und der Glaubensabfall stattgefunden hat. Und Vertreter der Nachentrückungslehre glauben ja, dass die Entrückung und die Wiederkunft Jesu zu einem Ereignis zusammenfallen.





Midtribulationismus


Lehre von der Entrückung in der Mitte der Trübsal, also nach 3,5 Jahren. Eine Art Kompromisslösung. Diese Lehre geht davon aus, dass die Gemeinde die Trübsalszeit miterleben muss, aber dass sie vor dem Offenbarwerden des Antichristen in seiner schrecklichsten Art entrückt wird. Die Gemeinde muss also die erste Hälfte der großen Trübsal erleben, wird aber entrückt bevor sich in der zweiten Hälfte der Trübsal die Schreckensherrschaft des Antichristen in ihrer ganzen Fülle entfaltet. Sie wird also vor dem Hereinbrechen der Gerichte Gottes in ihrer ganzen Heftigkeit entrückt.


Teilentrückung


Besagt, dass nur besonders qualifizierte Gläubige vor oder während der Trübsalszeit entrückt werden, vielleicht auch in Stufen. Diejenigen, die besonders wachsam sind, die besonders intensiv auf den Herrn warten, die besonders zubereitet sind, sollen entrückt werden.


Diese Lehre geht davon aus, dass nicht alle Gläubigen bei der Entrückung der Gemeinde versammelt werden, sondern nur diejenigen, die besonders wachen und warten. Ein gewisses Maß an Geistlichkeit müssen die Gläubigen nach dieser Lehre erreicht haben, um an der Entrückung teilzuhaben.

Bibelstellen, die herangezogen werden:

Lukas 21,36:

„Wacht nun und betet zu aller Zeit, dass ihr imstande seid, diesem allem, was geschehen soll, zu entfliehen und vor dem Sohn des Menschen zu stehen!“


Aber: Dieser Aufruf zur Wachsamkeit ist ohnehin für alle Gläubigen verbindlich.

Mt. 24,41+42

„zwei Frauen werden an dem Mühlstein mahlen, eine wird genommen und eine gelassen.

42 Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“


Aber auch hier handelt es sich einfach um einen Aufruf zur Wachsamkeit, ohne dass es einen Zusammenhang zur Entrückung gäbe.


Hebräer 9,28

„so wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male ohne Beziehung zur Sünde denen zum Heil erscheinen, die ihn erwarten.“


Auch hier kein direkter Bezug zur Entrückung. Denn natürlich ist das Warten wichtig. Auch im Gleichnis mit den törichten Jungfrauen, die kein Öl mehr in den Lampen hatten, haben diese die Hochzeit des Bräutigams verpasst (Matthäus 25).


1. Korinther 15,23

„Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; sodann die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft“


Auch hier ist nicht die Rede davon, dass es verschiedene Abstufungen hinsichtlich einer Entrückung bei den Gläubigen gibt, sondern die Rede ist hier davon, dass es eine Ordnung bei der Auferstehung gibt. Diese Ordnung bezieht sich auf Christus, auf die Verstorbenen und auf die Gläubigen. Jeder wird in seiner Reihenfolge auferstehen, es findet keine noch weiter gehende Unterteilung statt.


2. Timotheus 4,8

„fortan liegt mir bereit der Siegeskranz der Gerechtigkeit, den der Herr, der gerechte Richter, mir als Belohnung geben wird an jenem Tag; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die sein Erscheinen lieb gewonnen haben.“


Wieder gibt es hier keinen Bezug zur Entrückung. Es ist die Rede von allen, die „sein Erscheinen lieb gewonnen haben“, was grundsätzlich eine Herzenseinstellung aller Gläubigen sein sollte.


Es werden also Stellen angeführt, die vom Wachen und Beten handeln.

Bei der Lehre der Teilentrückung wird die Abfolge sehr stark vom Menschen und seinen Werken abhängig gemacht bzw. vom geistlichen Zustand. Wenn aber jemand ein Kind Gottes ist, dann gibt es keine Unterschiede mehr bzgl. seines beim Herrn sein dürfen. Wäre dies anders, so würde ein Klassendenken innerhalb der Gemeinde entstehen und dabei droht die Erlösung allein aus Gnaden verdunkelt zu werden.


Auch ist 1Thess. 4,16-17 zu bedenken:

„Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;

17 danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.“


Hier ist die Rede davon, dass alle die zum Herrn gehören in einem Augenblick entrückt werden. Hier ist von keinen Stufen die Rede.


1. Korinther 15,51+52:

„Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden,

52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein, und wir werden verwandelt werden.“


Hier ist auch ausdrücklich wieder die Rede von „alle“.


Auch würde bei der Vorstellung der Teilentrückung die Einheit des Leibes Christi geleugnet werden, die in Epheser 2 betont wird.

Die Teilentrückungslehre muss aus diesen Gründen als sehr unwahrscheinlich bewertet werden.





Entrückung vor dem Zorn Gottes


Auffassung: Wenn die Bedrängnis so groß wird, dass kein Gläubiger hindurch kommen würde, werdem die Tage für die Auserwählten verkürzt werden, gemäß Matthäus 24,22:

„Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.“

Die Entrückung findet gemäß dieser Lehre etwa 4-5 Jahre nach Beginn der Trübsalszeit statt, also nicht genau in der Mitte, sondern etwas danach, wenn Gott seine Zorngerichte losbrechen lässt, wenn also die Bedrängnis noch größer sein wird. Das ist also die Zeit, in der auch die kosmischen Zorngerichte über die Welt hereinbrechen werden. Bevor also Gottes Zorn in Fülle eintritt wird die Gemeinde entrückt. „Wenn die Not am Größten, ist die Hilf’ am Nächsten“.


Diese Lehre geht davon aus, dass die Entrückung vor dem Öffnen des siebten Siegels stattfindet. Vom Öffnen des siebten Siegels wird ab Offenbarung 8 gesprochen.

Vorher heisst es aber:

Offenbarung 7,14f.:

„Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel“


Vor dem Öffnen des siebten Siegels und des Hereinbrechens der  großen Gerichte wird die Gemeinde dieser Auffassung nach entrückt. Die ersten sechs Siegel werden also schon aufgebrochen sein, die apokalyptischen Reiter losgelassen sein. Die Gemeinde muss also durch die Gerichte der ersten sechs Siegel hindurch, wird aber vor dem Öffnen des siebten Siegels entrückt.





Amillenialismus


Geht davon aus, dass es kein Tausendjähriges Reich geben wird und auch keine Trübsal. Hier wird die Vorstellung vertreten, dass die Entrückung mit der Wiederkunft Jesu zusammenfällt, es gibt hiernach also keine spezielle vorherige Entrückung, da es ja auch kein Tausendjähriges Reich gibt. Die Entrückung ist identisch mit dem Endgericht und der Wiederkunft Jesu.




Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass nur eine dieser Ansichten richtig sein kann. Die Aussagen der Bibel sind bei diesem Punkt nicht so eindeutig, dass man sich festlegen könnte. Zudem ist das Thema Entrückung zwar wichtig, aber nicht heilsentscheidend. Die Bibel fordert uns zur ständigen Wartebereitschaft auf:



„Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein. … Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.“ (Matthäus 24, 36+42)


„Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat.“ (Apostelgeschichte 1,7)



Insofern haben wir es bei der Entrückung mit einem wichtigen und interessanten Thema zu tun. Das Entscheidende ist jedoch seinen Frieden mit Gott zu machen. Unabhängig von einer Entrückung kann das Leben schon morgen vorbei sein. Die Entscheidung für Jesus sollte also so oder so nicht auf die lange Bank geschoben werden. Jesus fordert uns jetzt zu einer Entscheidung heraus. Wer jetzt an der Türe Jesu anklopft und ihn als Herrn in das eigene Leben einlädt, hat die beste Vorbereitung getroffen, die es gibt. Einem Kind Gottes kann das ewige Leben nicht mehr genommen werden.





 

Mittwoch, 17. November 2010

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