Niedergang der letzten Tage
Niedergang der letzten Tage
"1 Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. 2 Denn die Menschen werden sich selbst lieben , geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, 3 lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten feind, 4 Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; 5 dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht , deren Kraft aber verleugnen sie. Von solchen wende dich ab! 6 Denn zu diesen gehören die, welche sich in die Häuser einschleichen und die leichtfertigen Frauen einfangen, welche mit Sünden beladen sind und von mancherlei Lüsten umgetrieben werden, 7 die immerzu lernen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. 8 Auf dieselbe Weise aber wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden, so widerstehen auch diese [Leute] der Wahrheit; es sind Menschen mit völlig verdorbener Gesinnung, untüchtig zum Glauben. 9 Aber sie werden es nicht mehr viel weiter bringen; denn ihre Torheit wird jedermann offenbar werden, wie es auch bei jenen der Fall war." (2. Timotheus 3:1-9)
Im zweiten Timotheusbrief Kapitel 3, Verse 1 - 9, sagt uns Paulus, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden und beschreibt diese recht eindeutig: Wer diesen Abschnitt liest, kommt nicht umhin, festzustellen, dass wir bereits in den letzten Tagen leben. Tatsächlich lieben die Menschen sich selbst und nur noch sich selbst; jeder denkt nur nach an den eigenen Vorteil. Gute Taten werden nicht mehr aus ehrlicher Humanität und Nächstenliebe ausgeführt, sondern aus Berechnung, damit derjenige, dem geholfen wird, sich verpflichtet fühlt. Dabei versucht jeder, nicht nur denselben Gegenwert wiederzubekommen, sondern damit auch noch einen Reibach, einen Gewinn zu machen.
Die Menschen sind geldgierig: Sozial-, Versicherungs- und Steuerbetrügereien sind längst an der Tagesordnung. Es tauchen CD's aus der Schweiz, aus Liechtenstein und Luxemburg auf, in denen Schwarzgeldkonten aufgeführt sind. Es gibt Gastronomen, die mit dem Bonbuch arbeiten, weil sie dieses spurlos verschwinden lassen können, um so die Einnahmen zu verdecken. Schwarzarbeit hat Konjunktur, weil der Beschäftigte so mehr "Netto" erhält, und der Auftrag- bzw. Arbeitgeber trotzdem noch spart, weil keine Sozialabgaben oder Steuern abfallen. Dumpinglöhne sind ein weiteres Anzeichen für die Geldgier, weil sich hier bestimmte Kreise an der Not der Arbeitslosen bereichern, die zu den erbärmlichsten Bedingungen bereit sind, Arbeit anzunehmen.
Wir hören von den Anderen nur, wie gut sie sind, wie fleissig, was sie alles geleistet haben, wie viele Freunde sie haben. Es gibt viele, die in sozialen Netzwerken alle und jeden anklicken, um mit einer Vielzahl von Freunden und Bekannten zu prahlen. Prahlsucht und Angeberei führen zwangsläufig zur Überheblichkeit. Der Mensch macht sich selbst zum Gott, der über Leben und Tod entscheidet, in dem er sich anmaßt, welche Kinder geboren werden dürfen und welche man zur Abtreibung freigibt. Man scheut sich nicht einmal mehr davor, Euthanasie zu betreiben und Menschen, die unheilbar krank und pflegebedürftig sind, zu töten und das als humanitären Akt selbstbestimmten Sterbens anzupreisen.
Sie lästern Gott in schändlichen Witzen, sie ziehen über Jesus her, dass man im Boden vor Scham versinken möchte allein schon der üblen Worte wegen, die da gebraucht werden. Man lästert über den christlichen Glauben und stellt in den Medien wiedergeborene Christen hin, als seien es ewig gestrige Vollidioten, die nichts dazu gelernt hätten. Filme wie "Das Leben des Brian" haben selbst dann, wenn man die Blasphemie eines solchen Filmes völlig ausblendet, ein derart niedriges Niveau, dass einem die Worte fehlen, dies zu beschreiben: Mit Kultur und Kunst hat so etwas nichts mehr zu tun. In einer Sommerausgabe der taz von 2010 wurde Jesus dargestellt am Kreuz so, als machte er dort mit seinen Beinen Leichtathletik und schrieb darunter: "Immer schön locker bleiben!" Ob die Lästerer, die das zu verantworten haben, immer noch schön locker sind, wenn sie vor dem Richterstuhl Jesu stehen, darf bezweifelt werden.
Für meine Generation war es noch selbstverständlich, dass man Erwachsene siezte und für Ältere aufstand. Heutzutage bleiben Kinder sitzen und werden noch frech, wenn ein Gehbehinderter oder ein Älterer, der kaum noch stehen kann, freundlich nach einem Sitzplatz fragt. Was die Lehrer sagen, interessiert nicht mehr, und was die Eltern sagen, wird überhört. Gehorsam wird längst zu einer Untugend erklärt. So bleibt Respekt, so bleiben selbst einfachste Anstandsregeln auf der Strecke.
Kein Wunder, dass die Menschen undankbar sind: Sie nehmen alle Vorteile als selbstverständlich hin. Man meint, man hätte es verdient, dass man satt zu essen hat, genug zu trinken, Kleidung, Gesundheit und vieles Andere mehr. Wer dankt denn schon mittags für Speis und Trank? Wer dankt abends noch für das Gute, dass man am Tag erlebt hat? - Und wer es tut, der wird schief angesehen und ausgelacht.
Unheilig wird die Gesellschaft sowieso: Es gibt sogar eine Band, dessen Chef "Der Graf" ist, die sich selbst "Unheilig" nennt. Wissen sie nicht, was in diesem Wort steckt? Ja, es steckt darin "Unheil", das als Strafgericht Gottes über die Welt einbrechen wird. "Unheilig" zu sein, macht auch keineswegs frei, sondern zu Knechten der Sünde und des Teufels, der sich die Hände bei jeder weiteren Seele reibt, die er verderben kann. Der Respekt vor den Feiertagen fällt, und man scheut sich auch für den Kommerz nicht, Feiertage wie den Buß- und Bettag auszusetzen. Der Sonntag wird mehr und mehr ausgehöhlt: In Touristenstädten haben auch Kleider- und Schuhgeschäfte, manchmal auch Drogerien und Schreibwarenläden auf. Bäcker dürfen drei Stunden lang ihre Waren feilbieten. Das verkauft man dann als Dienstleistung; in Wahrheit tritt man nur ein weiteres Mal Gottes Gebote mit Füssen.
Ebenso steigt die Lieblosigkeit: Wie viele Eltern sind in die Pflegeheime abgeschoben und werden nicht besucht? Zweifelsohne führt oft aus medizinischen Gründen kein Weg am Pflegeheim vorbei, doch werden die Eltern oft selbst dann nicht besucht, wenn man genügend Zeit dafür hat und man nur einen kurzen Fußweg zurückzulegen hat, weil man in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. In den Mietskasernen unserer Großstädte sterben Alte und Kranke und werden erst nach Monaten entdeckt, weil sich die Nachbarn über den Leichengeruch beschweren, den sie nicht mehr ertragen können. Wo ist da noch die Liebe zum Nächsten?
Unversöhnlich und nicht zur Vergebung bereit werden sie verleumderisch. Man tritt nach, wenn der Andere am Boden liegt. Man prozessiert für nichts und wieder nichts bis zu den höchsten Gerichten und schlägt jede Hand der Versöhnung aus. Man mobbt, man putzt runter, man unterstellt, man macht den anderen besonders dann schlecht, wenn er sich nicht wehren kann.
Und wo ist Selbstbeherrschung, Selbstzucht? Man lässt sich gehen, man lässt den Gefühlen, der Wut freien Lauf, ganz gleich, wie destruktiv sie auch ist. Nach dem unsinnigen Motto "Macht kaputt, was euch kaputt macht!" zerstört man alles: Beziehungen, Gegenstände, Familien. Der Trieb wird zum Nonplusultra erklärt. In der Sexualität gibt es kein Stoppen und schon gar keine Treue mehr. Früher beherrschten die Menschen ihre Triebe, heute beherrschen die Triebe die Menschen als wären sie Tiere.
Schauen wir uns in den Schulen, in den Kindergärten um: Gewalt nimmt auch da schon geradezu mafiose Strukturen an: Erpressungen gehören zur Tagesordnung, und es geht dabei längst nicht mehr ums Pausenbrot und Hausaufgaben, was schon schlimm genug ist. Nein, man verlangt Handys, Geld und mehr. Und wehe dem, der sich das nicht leisten kann!
Dem Guten ist jeder feind: Es lebe Betrug, es lebe Verleumdung. Warum denn Blut spenden? Warum sich bei der Feuerwehr engagieren? Warum zum THW gehen? Warum Kranke besuchen? Lieber verrät man andere und schwärzt sie an. Es gibt einen Rentner, der sogar die Besatzung eines Rettungshubschraubers anzeigte, weil diese bei einem Einsatz falsch geparkt haben. Wie tief muss man eigentlich moralisch und geistig sinken, um auf so einen Quatsch zu kommen? Doch dahinter verbirgt sich der Leichtsinn, der meint, selbst nie Rettung in Anspruch nehmen zu müssen. Man ist aufgeblasen, von sich eingenommen und meint, weil man viele PS hat, dürfe man drängeln und rasen als hätte der Fahrer eines dicken Mercedes größere Rechte als der Fahrer eines alten, langsamen Wagens.
Party machen, über das Rotlichtmilieu streichen, Drogen nehmen, in Urlaub fahren: Hoch die Tassen heisst es nicht nur zum Karneval, zum Sylvester oder bei den Kegeltouren, nein, es ist ganzjährig. Vergnügen und Vergnügungen sind wichtiger geworden als Gott; dabei geben sich einige noch den Schein der Gottesfurcht, doch die Kirche ist nur noch ein Dienstleister für romantische Familienfeiern, für Kontaktpflege. Um Gott geht es kaum noch.
Es gibt immer mehr, die die Häuser von leichtfertigen Frauen aufsuchen, weil sie selbst verdorben sind und deren Gesinnung selbst schlecht ist. Sie lernen zwar, aber sie lernen nur noch, den eigenen Vorteil zu nutzen; die Wahrheit lernen sie nicht mehr, sondern widerstehen ihr in der Bosheit ihrer Herzen. Die Kraft der Gottesfurcht leugnen sie, weil sie untauglich sind zum Glauben. Wenden wir uns ab von ihnen, sondern wir uns ab. Es sind die letzten Tage. Der Herr kommt bald wieder und wird diese verdorbene Welt, deren letzten Stunden schlagen, in Kürze richten.
Markus Kenn
Mittwoch, 21. Dezember 2011
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